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Aktuelles

Bad Urach, Siedlungs- und Stadtgeschichte

Nachdem seit Kurzem auch die Aufarbeitung der umfangreichen Baubegleitung "Chorstraße - Auf dem Graben" von Juni-Oktober 2024 vorliegt, lässt sich erstmals die Siedlungs- und Stadtentwicklung Urachs bis zum Ausgang des Mittelalters konsistent darstellen, wobei der jetzt erreichte Forschungsstand zunächst als Modell verstanden werden muss, an dem sich durch neue Untersuchungen, aber auch den weiteren Abgleich mit der schriftlichen und baugeschichtlichen Überlieferung noch das eine oder andere ändern kann. Die bislang an dieser Stelle aufrufbare Übersicht über die Grabungen/Baubegleitungen 2020-2025 wurde inzwischen ins Archiv verschoben und wird nicht mehr weiter aktualisiert.

Nach aktuellem Forschungsstand durchläuft Urach folgende topografische Entwicklung:

Aber auch nach 1490 kann die Archäologie noch interessante Beiträge zur Stadtentwicklung erbringen, wobei als vielleicht interessantes Thema auf den Zwingerbau und die Schwanenseeflutung unter Herzog Ulrich zu verweisen ist, vgl. den Grabungsbericht zur Schlossmühle vom Januar 2026. Es steht sehr zu hoffen, dass in den kommenden Jahren eine Auswertung der umfangreichen archäologischen Dokumentationen in enger Verbingung mit einer Neusichtung der mittelalterlichen Schriftquellen ins Auge gefasst werden kann!

In der 2026 neu eröffnenden Dauerausstellung im Schloss Bad Urach werden Funde aus den archäologischen Untersuchungen von 2023-25 zu sehen sein. Und schon jetzt soll angekündigt werden, dass im kommenden Jahr, am 14. April 2027, in einem Vortrag im Schloss Bad Urach die archäologischen Ergebnisse zur frühen Uracher Stadtgeschichte erstmals in der Zusammenschau der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Das "Double Feature" zur frühen Stadtgeschichte wird ergänzt durch eine Stadtführung am 17. April 2027.

Bad Waldsee, Hauptstraße 10-12

Nur einen Tag dauerte die Baubegleitung im Auftrag der Netze BW im April 2023: östlich des ehemaligen Franziskanerklosters, heute Verwaltungsgebäude und Polizeistation sollte ein kleines Umspannwerk errichtet werden. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zur achtwöchigen Rettungsgrabung Februar-April 2021 erbrachte die Untersuchung gleichwohl Ergebnisse von erheblicher stadtgeschichtlicher Bedeutung. In der kleinen Fläche konnte ein vermutlich auf 1256 ± 10 datierbarer frühstädtischer Graben nachgewiesen werden, der nach der Ummauerung der Stadt um 1300 bis zur Stadterweiterung nach 1403 als städtischer Graben weitergenutzt wurde, obwohl geometrisch nicht exakt passend. Diese "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" führte in Waldsee dazu, dass es Gebiete wie die "Hochstatt" gab, die zwar außerhalb der Stadtmauern, aber eben noch innerhalb des Grabens lagen. Für die Stadtgeschichtsschreibung ist entscheidend, dass wir nun Nachweise von Graben und Stadtmauer sorgfältig zu trennen haben. Die Erstnennung der Waldseer Stadtbefestigung von 1283 ist die Nennung des Grabens - bei dem es sich um die frühstädtische Befestigung gehandelt haben muss. Die Versteinerung der Befestigung um 1300, die wegen des schwierigen Baugrunds mit einer Verkleinerung der befestigten Fläche einhergeht, korreliert zeitlich mit der Verleihung des Ravensburger Stadtrechts 1298. Weil sich in Zusammenhang dieser Stadtrechtsverleihung aber schon bestehende städtische Strukturen (Nennung von Schultheiß und Rat) nachweisbar sind, wird man die Befestiung der Frühstadt im mittleren 13. Jahrhundert entwicklungsmäßig auch eher "hoch hängen" können. Letztlich ist Waldsee in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts schon funktionierende "Stadt", auch wenn mit königlich verliehenem Stadtrecht und steinerner Mauer noch typische Bestimmstücke fehlten. Ein Auszug aus dem Grabungsbericht kann hier heruntergeladen werden. Ein zusammenfassender Aufsatz in der Abschlusspublikation "Mensch und Umwelt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit in Bad Waldsee" (gefördert durch die Gesellschaft Oberschwaben) zum gleichnamigen DFG-Projekt ist aktuell im Druck.

Vnser Schloß und statt Gammertingen/Gammertingen, Schlossplatz

Im Auftrag der Stadt Gammertingen haben Joachim Jehn und ich eine neue interdsiziplinäre Stadtgeschichte Gammertingens verfasst, die im Dezember 2024 erschienen ist. Grundlage sind die umfassenden neuen Erkenntisse aus der Auswertung der Schlossplatzgrabung von 2012/13, erweitert durch umfangreiche neue Archivstudien. Ergänzt wird die Arbeit durch neue Illustrationen von Roland Gäfgen, Renningen, sowie durch neue bauhistorische Untersuchungen durch Tilmann Marstaller, Rottenburg. Hierzu liegen inzwischen zwei wichtige Ergebnisse vor: Die Baudaten zu den Gebäuden Hohenzollernstraße 14 und 16 (1665 bzw. 1492) setzen Marker für die stadttopografische Entwicklung rund um den spätmittelalterlichen Marktplatz - und machen neuerliche Sichtungen der korrespondierenden Schriftüberlieferung erforderlich.
Das Buch umfasst folgende Kapitel: Eine neue Stadtgeschichte - Fernweg, Furt und Lauchertinsel (bis 8. Jh.) - Die Herausbildung der Grafschaft Gammertingen (9.-11. Jh.) - Die jüngeren Grafen von Gammertingen (11./12. Jh.) - Das Erbe der Grafen von Gammertingen (12./13. Jh.) - Die Stadtgründung im Spiegel der Archäologie (um 1300 - um 1330) - Die Stadt unter den Grafen von Veringen (um 1270 - um 1410) - Der große Stadtbrand (um 1410) - Die Residenzstadt der Rechberger (1. H. 15. Jh.) - Graf Ulrich v. Württemberg, die Herren von Bubenhofen und fast eine Stadtkirche (um 1450 bis um 1520) - Streit um Gammertingen (um 1520 - um 1550) - Die wilhelmischen Jahre und die Speth'sche Residenz Gammertingen (um 1550 - um 1600) - Schloss und Stadt in der Barockzeit (17./18. Jh.) - Marquard Carl Anton, Pierre Michel und das Zwillingsschloss (1765-1806) - Der Schlossbezirk in der Moderne (19./20. Jh.).
Die wissenschaftliche Auswertung der Schlossplatzgrabung von 2012/13 im Nachgang zu "Vnser Schloß und statt Gammertingen" wird 2026 als online erscheinender erster Band der Tübinger Materialhefte zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in reduzierter Form publiziert - als ergänzender archäologischer "Quellennachweis". Dies ist schon von daher notwendig, weil hier erstmals eine archäologische Untersuchung vorgelegt wurde, die von der Planung bis zur Publikation den Grundzügen der von mir entwickelten historischen Archäologiekonzeption folgt. Sie zeigt exemplarisch, welche Informationsdichte unter entsprechenden Voraussetzungen aus einer gewöhnlichen, kleineren Stadtkerngrabung zu extrahieren ist. Zu Jahresende 2025 wurde das Lektorat abgeschlossen, das Layout wird aktuell von mir erstellt.

Mengen, Frühe Stadtgeschichte

Im Auftrag des Vereins für Heimatgeschichte und Museen in Mengen e.V. habe ich die vielfältigen - und, was meine eigenenen betrifft: weitgehend unaufbereiteten - archäologischen Untersuchungen in der Donaustadt in Hinblick auf die frühe Siedlungsgeschichte und Stadtwerdung Mengens gesichtet und mit den publizierten frühen Schriftquellen zusammengeführt. Inzwischen ist der Aufsatz erschienen. Er zeichnet den Weg von der frühmittelalterlichen Besiedlung über die frühstädtische Entwicklung im 12. Jahrhundert, ausgehend von einem adligen Besitzkomplex (Grafen v. Bregenz, dann Pfalzgrafen von Tübingen) um die Martinskirche, einer ersten Stadtwerdung als "Freimengen" unter den Grafen von Montfort bis hin zur Neugründung der Stadt Mengen unter den Habsburgern 1276, die sich nun zum 750sten Male jährt.

Sonnenbühl, Burg Hohengenkingen

Initiiert von den Journalisten Wolfgang Bauer (Die ZEIT) und Dr. Ulrich Stolte (Stuttgarter Zeitung) ist ein Projekt zur Erforschung, Vermittlung und denkmalgerechten Konservierung der Ruine Hohengenkingen auf Markung Sonnenbühl-Undingen gestartet worden, das ich wissenschaftlich begleite. Es sind Kooperationen mit dem Landesamt für Denkmalpflege, der Universität Tübingen und der Gemeinde Sonnenbühl vereinbart worden. Im November/Dezember 2021 fanden auf der Burg erste Vermessungsarbeiten (Prof. Quasnitza, FH Biberach) statt, die vom Landesamt für Denkmalpflege vermittelt und finanziert wurden. Im Dezember 2022 erfolgte die Gründung des Fördervereins "Die Burg e. V." in Willmandingen, seit Anfang 2023 sind wir mit unserer Homepage online.
Mit einer archäologischen Bestandsaufnahme der obertägig erkennbaren (Bau-)Befunde im März 2023 in Zusammenarbeit mit der Abteilung Archäologie des Mittelalters am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen fand im März 2023 der Einstieg in die Erforschung der Anlage statt. Dabei konnte die Südhälfte der Burg 3D-fotogrammetrisch aufgenommen werden. Es ergaben sich relevante Korrekturen zu bisherigen Aufnahmen sowie erste Ansätze zu einer Bauphasengliederung. Außerdem wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege geomagnetische Prospektionen in zwei verebneten Burgbereichen (zentraler Wohnbereich im NW, Vorburgareal im NO) durchgeführt. Näheres auf der Homepage des Projektes sowie in der ZEIT, wo seit Dezember 2023 periodisch über das Projekt berichtet wird.
Erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde die Burg durch den Sturm am 24. August 2023. Zahlreiche Baumwürfe blockieren nicht nur die Wege, sondern richteten auch nicht unerheblichen Schaden am Bodendenkmal an. Ein erster jeweils eintägiger Sicherungseinsatz im Auftrag der Gemeinde Sonnenbühl fand am 4. Oktober und am 13. Dezember statt, dankenswerterweise unterstützt durch eine Mitarbeiterin des Landesamts für Denkmalpflege. Dabei wurden zum Teil Befunde von baugeschichtlicher Bedeutung freigelegt; als Zwischenergebnis lassen sich nun mehrere verschiedene Bauphasen der Anlage zwischen "um 1200" und dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts unterscheiden. Das Landesamt führte Ende Januar 2024 eine Einmessung sämtlicher noch nicht untersuchter Baumwürfe durch, ergänzt durch eine Fotodokumentation und einige Lesefunde.
Nach Aufräumarbeiten durch den Forst konnte im März 2024 eine erste universitäre Begehungsübung auf dem gesamten Burgberg durchgeführt werden, die in der ersten Aprilwoche 2025 fortgesetzt und abgeschlossen wurde. Der Survey wurde im Rahmen einer BA-Arbeit am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Uni Tübingen durch Leonard Ebel ausgewertet (Abschluss 30. Juni 2025) - mit spannenden Ergebnissen.
Durch eine umfangreiche LEADER-Förderung war 2025 sowohl die Sicherung/Sanierung der 2023 teileingestürzten westlichen Ringmauer als auch der Einstieg in die archäologische Erforschung der Burg möglich. Im September 2025 wurde das auf Prospektion ausgerichtete Vorprojekt 2023-0147 fertiggestellt, die weitere Erforschung wird unter der neuen Projektnummer 2025-0137 geführt. Erste Aktivität war die gemeinsam mit der Universität Tübingen (Doris Schuller, Prof. Natascha Mehler) vom 23.9.-8.10.2025 durchgeführte Lehrgrabung. In fünf Schnitten in verschiedenen Teilen der Burg konnten zum Teil unerwartete neue Ergebnisse erzielt werden - die bei der Tagung "Burg und Konflikt in Mittelalter und Neuzeit" in Tübingen (30.10.-2.11.2025) erstmals vorgestellt wurden, in deren Rahmen auch das neue "Zentrum für Burgenforschung" eröffnet wurde. Die Dokumentation der Grabung wurde im Rahmen einer Auswertungsübung am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters aufgearbeitet - ebenfalls mit spannenden neuen Ergebnissen.
Sehr erfreulich ist die Nachricht über die Bewilligung einer Förderung durch die Wüstenrot-Stiftung, welche die Fortführung der archäologischen Arbeiten 2026 ermöglicht. Ebenfalls bewilligt wurde ein bei der Gerda Henkel Stiftung angesiedeltes historisches Begleitprojekt, mit dem die Rolle der Herren von Genkingen aber auch das Konzept "Ministerialität" exemplarisch aufgearbeitet werden soll.
Im März/April 2026 wurde die zweite Grabungskampagne auf Hohengenkingen unter Leitung von Adrian Brombach M.A. und Shane Cavlovic M.A. durchgeführt, wir sind wieder ein Stück weiter. Wertvolle Unterstützung liefern auch die C14-Daten aus der ersten Grabungskampagne, die durch eine Benefizveranstaltung der Sportskomede Genkingen mit Unterstützung der Ortschaftsräte von Genkingen und Undingen sowie des Kulturvereins Zehntscheuer Undingen möglich wurde. Wir unterscheiden nun drei Brände (!) auf dem Hohengenkinger Berggipfel und kommen allmählich zu immer exakteren Datierungen. Mehr zu gegebener Zeit auf https://die-burg.org/.

www.historische-archaeologie.de wurde zuletzt aktualisiert am 06.07.2026