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Aktuelles

Gammertingen, St. Michael

Am 9. Oktober 2017 wurde in der Michaelskapelle in Gammertingen die Gesamtpublikation der zwischen 2010 und 2012 erstellten Auswertung der Altgrabungen von 1981ff. präsentiert. Das Buch mit Beiträgen von Philipp v. Grumbkow, Susanne Hummel, Lisette M. Kootker, Janine Mazanec, Tilmann Marstaller, Katja Thode erscheint als vierter Band in der Reihe "Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg". Als erste Arbeit der Reihe ist der Publikation auch eine dauerhafte Präsentation von Dokumentations- und Auswertungsdaten zugeordnet: http://dx.doi.org/10.11588/data/MHGXU6.

Blaubeuren, Klosterkirche-Mönchschor

In einer zweitägigen Sondageuntersuchung in den Kriechgängen unterhalb des spätgotischen Chorgestühls von 1493 im Mönchschor der Blaubeurer Klosterkirche wurden unmittelbar unterhalb des bauzeitlichen Bodens der nur zum Teil mit moderneren Schuttauflagen verfüllten Kriechgänge Baustrukturen der Vorgängerkirche angetroffen. Die zum Teil ausgebrochenen, zum Teil noch erhaltenen Fundamente weisen eine gegenüber dem spätgotischen Bau leicht im Uhrzeigersinn gedrehte Ausrichtung auf.

Gammertingen, Hohenzollernstraße 5-7

Im April konnte nach zweidreiviertel Jahren die Auswertung der von mir im Auftrag des damaligen Referats Denkmalpflege am RP Tübingen durchgeführten Ausgrabungen, die 2012 und 2013 auf dem Gammertinger Schlossplatz stattfanden, tatsächlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Es lassen sich eine Reihe von Besiedlungsphasen rekonstruieren, die zum Teil durch erhebliche Brüche voneinander unterschieden sind. Auch am Schlossplatz beginnt die Besiedlung in vorgeschichtlicher Zeit, römische Funde sind an dieser Stelle nicht nachzuweisen. Die Besiedlung bezieht sich dabei von Anfang an auf eine ehemalige "Lauchertinsel", welche den Norden und Nordosten des mittelalterlichen Stadtgebietes (ohne Schwedengasse) einnimmt und sich darüber hinaus weiter nach Südosten fortgesetzt haben kann. Sie wird begrenzt vom heutigen Flussbett und einem weiter südwestlich verlaufenden Altarm, der seit der Bronzezeit allmählich verlandete. Der mittelalterliche Fundniederschlag beginnt um die Jahrtausendwende, wobei es sich aber um Streufunde von nördlich bzw. nordwestlich liegenden Siedlungsbereichen handeln dürfte. Spannend ist der Befund eines - nur in zwei Profilen erfassten - flachen Gräbchens mit einem (von mehreren?) damit korrespondierenden Pfahlloch am Südrand. Mit einiger Wahrscheinlichkeit erfassen wir hier die Befestigung der Niederungsburg der Grafen von Gammertingen, welche ab ca. der Jahrtausendwende bis an den heutigen Schlossplatz herangereicht zu haben scheint.
Nach einem Großbrand in der Niederungsburg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts (um 1165/70?, möglicher Zusammenhang mit der "Tübinger Fehde"?) - vermutlich eben jenem Brand, dem auch die "Basilika" der Grafen von Gammertingen (St. Michael) zum Opfer fiel - , scheinen wir die Entfestigung der Niederungsburg und das allmähliche Ausgreifen frühstädtischer Besiedlung nach Südwesten greifen zu können. Die städtische Besiedlung beginnt um 1270/80 mit einem im Südwesten der Grabungsfläche nur randlich erfassten stark fundamentierten, von mir als Rathaus gedeuteten Massivbau an der hier zum Marktplatz geweiteten Hauptstraße. Stadtauswärts Richtung Lauchert stand damals noch ein Pfostenbau - vermutlich als stadtgründungszeitliches Provisorium (Gasthof?) anzusprechen. Es ergeben sich hochspannende historische Modelle für die Gründungssituation - mehr soll hier aber nicht verraten werden.
Der provisorische "Gasthof" wurde erst im 14. Jahrhundert (gegen 1320/30) durch einen langschmalen dreizonigen Anbau an den älteren Massivbau ersetzt. Der Anbau wies im Erdgeschoss der im Lichten 9 Meter breiten Mittelzone offenbar einen Durchgang zu einem weiteren Straßenzug im Südosten auf. Die nordöstliche Zone des Anbaus stellte als Turm mit drei Massivbaugechossen einen eigenen Baukörper dar, der einerseits (als Teil einer ältesten Stadtbefestigung?) den Stadtabschluss zur Lauchert markierte, andererseits baulich und funktional mit dem "Rathaus" verbunden war. Der Turm wies im Erdgeschoss eine Küche und eine beheizte Kammer (Amtsraum?) auf, darüber nahm ein Saal mit repräsentativem Kachelofen und offenem Kamin wohl die ganze Turmfläche ein. Der nur temporär genutzte Raum könnte als großer Ratssaal und/oder als bürgerlicher Festsaal genutzt worden sein. Im zweiten Obergeschoss wird man wohl Wohnnutzung rekonstruieren können, wobei sich evtl. ein Zusammenhang mit dem "Amtsraum" im EG darstellen lässt.
Vor dem dreizonigen Rathaus-Anbau stand zur gleichen Zeit ein weiteres Gebäude, vermutlich ein Fachwerkbau auf massiven Steinschwellen. Dieser Bau, bei dem es sich um den Nachfolger des provisorischen Gasthofs gehandelt haben könnte, dürfte den damaligen Marktplatz auf dessen Nordostseite begrenzt haben. Alle ergrabenen Bauten dieser Phase brannten um das Jahr 1410 herum ab. Der Brand führte zu einer vollständigen Neuordnung des Stadtviertels am Unteren Tor und ist von seiner Größenordnung her als Stadtbrand einzuordnen. Zugehöriger Brandschutt ist noch im nordwestlichen Teil der Schwedengasse nachzuweisen, die erst durch damalige Aufschüttung ins Stadtgebiet mit einbezogen wurde. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um den Brand, der im Marktprivileg von 1418 erwähnt wurde, wo es heißt, dass er "vor Jahren" Stadt und Bürger Gammertingens schwer geschädigt hatte, und der vom König als Grund für die Erweiterung der bisherigen Marktrechte angeführt wurde. Nach dem Brand wurde am Nordostende des alten Marktplatzes erneut ein repräsentativer gegliederter Großbau errichtet - nun allerdings in gänzlich anderer Lage und Orientierung. Das Gebäude war, wie es scheint, nun auf einen neuen Platz bezogen, der sich zwischen ihm und dem unteren Tor aufspannte. Auch wenn die platzzeitlichen Schichten fehlen, lässt sich deren ehemaliges Vorhandensein durch Funde des 15./16. Jahrhunderts aufzeigen, die in späteren Bodeneingriffen aufgearbeitet wurden. Man wird diesen Bau als erstes Stadtschloss am Unteren Tor begreifen können: Offenbar nutzte die neue Rechberger Stadtherrschaft die nachstadtbrandzeitliche Erweiterung der Stadt Richtung Lauchert für die Neuanlage des herrschaftlichen Wohnbezirks - obwohl das alte "Schloss" bei St. Michael vermutlich vom Stadtbrand verschont worden war. Insgesamt wurde die Stadtfläche jedoch verkleinert: Im Zusammenhang mit einem Nordwestversatz der Hauptstraße wurde im Südosten der Stadt mindestens ein Straßenzug aufgegeben. Das stadtgründungszeitliche Rathaus wurde am bis heute überlierferten Platz des "Alten Rathauses" neu aufgebaut und beherrschte dort den sich nach Südwesten öffnenden neuen Marktplatz, der durch das schräggestellte Schloss die Form eines Dreiecksmarkts erhielt.
Im späteren 16. Jahrhunderts kommt es erneut zur völligen Neukonzeption des Viertels, da das durch die Speth errichtete neue Stadtschloss mitten auf den alten Schlossplatz gesetzt wurde - traufständig zur nordwestlich vorbeiführenden Hauptstraße und verbunden mit einer deutlichen Verkleinerung des Schlossbezirks gegenüber der Rechberger Zeit. Um/kurz nach 1600 kommen unter Philipp Dietrich Speth weitere Bauten hinzu, der "Neue Bau" und die (neue) Schlosskapelle. Der neue Schlossbezirk war von einer Umfassungsmauer umgeben, die bogenförmig noch die "Querstellung" des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus spiegelt. Noch heute reflektiert die bogenförmige Straßenführung der Hohenzollernstraße beim Schloss noch ein Stück weit die damaligen Verhältnisse. Unmittelbar nach Bauerrichtung wurde an das Spethsche Stadtschloss ein parallel zum Schloss augerichtetes Wirtschaftsgebäude mit zwei großen Gewölbekellern angebaut, das sich rückwärtig auf die Stadtmauer stützte und das Schloss nur auf wenigen Metern berührte. Das Wirtschaftsgebäude dürfte nach dem schriftlich überlieferten Einsturz eines Stücks der Stadtmauer im Jahre 1667 umgebaut worden sein, wobei die Vorderfront zum Hof hin wohl erhalten bleiben konnte.
Im Jahre 1739 - die im heutigen Rathaus integrierten Reste des Baus konnten inzwischen dendrochronologisch datiert werden - wurde der älteren Gammertingern als "Fruchtkasten" bekannte südöstliche Schlossflügel errichtet, vermutlich auf Basis eines vergrößerten und um ein Stockwerk erhöhten Neubaus des alten Wirtschaftsgebäudes bereits in den 1720ern. Beide Gewölbekeller, vermutlich auch noch die alte nordöstliche Giebelwand, waren darin integriert. Einer der Keller wurde nun durch eine Wendeltreppe direkt mit den Obergeschossen des alten Schlosses verbunden. In der Nordostzone des Erdgeschosses wurde die eingewölbte Schlossküche errichtet, welche in Resten im ehemaligen Bürgerbüro im Rathaus bis heute baulich überliefert ist.
Im Kontext mit dem Bau des neuen Schlossflügels, der von Beginn an multifunktional war und wirtschafliche Nutzung (Fruchtkasten, wohl auch Reitstall) und repräsentative Wohnnutzung vereinigte, wurde die Stadtmauer im Schlossbereich nieder- und die herrschaftlichen Gärten außerhalb der Stadtmauer neu angelegt. Auf der Hälfte seiner Nordwestfassade war der neue Flügel mit dem Schloss des späten 16. Jahrhunderts zusammengebaut. Man erkennt unschwer, dass bereits damals der Plan zum Abriss des alten Schlosses und zum Bau eines neuen Nordostflügels an der Lauchert bestand. Es kam nicht zur Realisierung, da Bauherr Marquard Rudolf Anton Speth bereits 1741 in jungen Jahren verstarb. Der Plan wurde daher erst eine Generation später und in veränderter Form 1775-1777 durch den Architekten Michel d'Ixnard in die Tat umgesetzt.
Auch zum klassizistischen Stadtschloss gibt es neue Ergebnisse: der 1791 von d'Ixnard publizierte Plan eines "doppelten" Gammertinger Schlosses beidseits eines ebenfalls erneuerten unteren Tors blieb bis in die Zeit der Koalitionskriege hinein der tatsächlich verfolgte Bauplan! Das bestehende Speth'sche Schloss ist effektiv nur ein halbes Schloss, ein reines herrschaftliches Wohnhaus, welchem unter anderem ein repräsentativer Schlosssaal und auch eine Schlosskapelle fehlten! Der neben dem Durchgang durch den Schlossflügel/Fruchtkasten gelegene hohe eingewölbte Raum, der in Gammertingen traditionell als alte Schlosskapelle angesprochen wurde, ist erst bei einem Umbau der frühen hohenzollerischen Zeit zwischen 1827 und 1838 entstanden - zu genau der Zeit, als der ehemalige Schlossflügel seine charakteristische Sieben-Arkaden-Fassade erhielt. Durch die enge Eingrenzung der Datierung ist möglicherweise auch der Architekt zu benennen: Rudolf Burnitz, ein enorm vielseitiger Architekt an der Schwelle zwischen Klassizismus und Historismus, der zwischen 1816 und 1840 eine Reihe repräsentativer Bauten für drei hohenzollerische Fürsten errichtete, vor allem aber durch sein Wirken in Frankfurt dauerhaften Ruhm errang.
1862 ging der ehemalige Schlosskomplex in städtische Hand über, im alten Fruchtkasten wurde die Volksschule eingerichtet. Der schriftlich überlieferte Umbau (der im anschließenden Schloss, wo das Rathaus eingerichtet wurde, sehr umfangreich war), beschränkte sich im Fruchtkasten im wesentlichen auf die Einrichtung von vier Schulsälen im Obergeschoss. Von Bedeutung war schließlich eine weitere Umbauphase 1894/95, als der Fruchtkasten einen Mittelrisalit zum hinteren Schlosshof und ein neu konzipiertes Treppenhaus erhielt. Eine letzte Umbauphase datiert in die frühen 1950er Jahre, als die Schule - kurz bevor sie zugusten ihres neuen Standorts aufgegeben wurde, noch einmal gründlich renoviert und sogar um eine Turnhalle erweitert wurde. Die Ausgrabung ist über ihre Relevanz für die Stadt- und Herrschaftsgeschichte Gammertingens hinaus insofern auch von übergeordneter Bedeutung, als dass sich jetzt schon deutlich zeigt, dass Gammertingen als Paradebeispiel gegen die Zulässigkeit der Rückschreibung der ersten Planaufnahmen bis ins Mittelalter angeführt werden kann. Die heute ersichtliche Gliederung der kleinen Altstadt ist in bedeutsamen Teilen erst im 15./16. Jahrhundert entstanden - und im 18. Jahrhundert in zwei unterschiedlichen Schritten relevant überformt worden. Allein am Schlossplatz liegen zwischen der Stadtgründung und der Urkarte des 19. Jahrhunderts zwei vollständige Neukonzeptionen des umgebenden Stadtviertels.

Tübingen, Archäologischer Stadtkataster

Im Rahmen der Arbeiten am Fundstellenkatalog zum Archäologischen Stadtkataster Tübingen zeichnen sich erste Ergebnisse insbesondere zur Entstehung der mittelalterlichen Stadt Tübingen ab - die aufgrund der nur überschlägig durchgeführten Sichtung der Dokumentation allerdings nur Vorberichtsqualität besitzen und im Wesentlichen als Hypothesen zur Anregung weiterer Forschungen betrachtet werden sollten.
Das Gebiet der frühmittelalterlichen Siedlung Tübingen ist inzwischen mit guten Gründen im Areal der späteren Unterstadt zu verorten - eingegrenzt in etwa von nördlicher Stadtmauer, Salzstadelgasse, Langer Gasse und dem Beginn des steileren Anstiegs zum Schlossberg. Die im 6. Jh. gegründete Siedlung, die vermutlich nicht allein landwirtschaftlichen Hintergrund besaß, lag zu beiden Seiten der Ammer, die damals etwa auf der Linie Madergasse - Johanneskirche geflossen sein dürfte, mindestens 4,5 Meter unter dem heutigen Niveau. Die Siedlung, zu der inzwischen ein zweites Gräberfeld bekannt ist (eine "Hofgrablege" des 8. Jh. im Bereich Hirschgasse/Collgiumsgasse), könnte von Beginn an auch auf einen Neckarübergang ausgerichtet gewesen sein.
In der Zeit um die Jahrtausendwende ist am Schmiedtor eine etwa 30 Meter durchmessende Wall-Graben-Befestigung auf der Linie der späteren Stadtmauer zu fassen. Vermutlich ist diese weniger als Adelssitz denn als Zeichen für den Beginn einer frühstädtischen Befestigung des alten "dörftlichen" Siedlungsareals zu werten. Tatsächlich wird im 11. Jh. eine diese "Frühstadt" umfassende Wall-Graben-Anlage errichtet - möglicherweise im zeitlichen Kontext mit der Errichtung der Burg Hohentübingen (vor 1078). Noch im 11. Jh. beginnt die flächige städtische Aufsiedlung der Tübinger Altstadt in ihren heutigen Ausmaßen. Dabei scheint es so, als ob die neu erschlossene Siedlungsfläche (also insbesondere die Oberstadt und die östliche Altstadt) planmäßig angelegt wurde - durch möglichst gerade auf einen zentralen Platz (den heutigen Holzmarkt mit der wohl damals errichteten Stadtkirche St. Georg) zuführende Erschließungsachsen, von denen die Lange Gasse, die Neckargasse und die Achse Neckarhalde-Kronenstraße heute noch in ähnlicher Form Bestand haben.
Im 12. Jh. nimmt die Aufsiedlung enorm an Fahrt auf. Vor allem ist jedoch auf die mit Abstand wichtigste Infrastrukturmaßnahme hinzuweisen: Der Bau der Stadtmauer, verbunden mit erheblichen Eingriffen in das Ammersystem. Der Fluss wurde an den Schnarrenberg-Hang nördlich der Stadtmauer verlegt (floss evtl. ursprünglich durch den neu angelegten Stadtgraben), während die Stadt durch den 1149 errichteten, am Hang des Schlossbergs entlangführenden Ammerkanal mit Brauchwasser versorgt wurde. Das Großprojekt dürfte in den 1140ern begonnen worden sein und sicherlich erst in der 2. H. des 12. Jh. abgeschlossen. Verheerende Auswirkungen zeitigten die Eingriffe in der zentralen Unterstadt: Bis etwa 1250 mussten im Bereich der ehemaligen Ammer mindestens 4,5 Meter Sediment aufgeschüttet werden, um dem stetigen Anstieg des Grundwasserpegels zu begegenen! Noch heute zeugt die romanische Jakobuskirche (vermutlich die alte Dorfkirche!), deren Niveau etwa 2 m tiefer liegt als das der spätgotischen Umbauphase um 1500, von diesen Vorgängen.
Es ist bezeichnend für die wirtschaftliche Potenz der pfalzgräflichen Stadtherren, dass diese drei Generationen währende Katastrophe bewöltigt werden konnte, ohne dass sich etwas am Tübinger Wohlstadt änderte: Das Fundmaterial des 12./13. Jh. bezeugt vor allem durch den flächig vorhandenen Becherkachelhorizont einen außergewöhlichen Lebensstandard in dieser Zeit. Auch der Stadtbrand von 1280, der große Teile der Unterstadt sowie die östliche Altstadt verwüstete, konnte durch die Stadtherrschaft noch produktiv genutzt werden: Allenthalben sind neue Parzellierungen und sogar Neuanlagen von Durchgangsstraßen (Pfleghofstraße)zu beobachten, in der Schmiedtorstraße entstehen das Spital und ein öffentlicher Großbau unter dem späteren Fruchtkasten. Das nachstadtbrandzeitliche Fundmaterial jedoch zeugt von sich allmählich normalisierenden Verhältnissen: Das Tübingen des 14. Jh. präsentiert sich eher unauffällig, die städtische Entwicklung verlangsamt sich. Erst im Zuge der neuen Bedeutung, die Tübingen in der 2. Hälfte des 15. Jhs. gewinnt (Universitätsgründung 1477) lässt sich ein neuerlicher Schub verzeichnen.

Unter dem Titel "Alte Quellen neu gefasst - Die Entstehung der Stadt Tübingen aus archäologischer Perspektive" erscheint die historische Quintessenz (bis zum Stadtbrand 1280) der Arbeiten am Fundstellenkatalog im vierten Band der Reihe "Landeskundig".

www.historische-archaeologie.de wurde zuletzt aktualisiert am 15.4.2018