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Aktuelles

Bad Waldsee, Stadtbefestigung

An inzwischen sieben Stellen im Bereich Hauptstraße 10/12 und Wettgasse 11 konnten 2019/20 Beobachtungen zur Entwicklung der Stadtbefestigung in Bad Waldsee durchgeführt werden. So ließ sich östlich des Polizeigebäudes Hauptstraße 10, des ehemaligen Franziskanerklosters, in etwa an der vermuteten Stelle die ursprüngliche Stadtbegrenzung nachweisen, die laut schriftlicher Überlieferung ins späte 13. Jahrhundert gehört. Sie liegt fast genau in gerader Verlängerung der Südwand des Nordflügels des um 1650 errichteten Klosters. Es ist damit denkbar, dass sich der Bau hier auf die Stadtmauer stützte. Im Bereich des Neubauvorhabens Hauptstraße 10 liegt - noch undokumentiert - das Südosteck der ersten Stadtmauer. Von dort läuft sie auf der Linie eines noch auf dem Urkatasterplan verzeichneten Wegs etwa mittig in das Gebäude Spitalhof 8, das Ostgebäude des Heilig-Geist-Spitals. Dessen Ostwand spiegelt hingegen einen jüngeren Mauerverlauf, der inzwischen an zwei Stellen östlich des ehemaligen Klosters erfasst werden konnte. Was formal eine ca. 8 m außerhalb der Stadtmauer verlaufende Zwingermauer sein könnte, ist wohl besser als nach außen verlegter Stadtmauerneubau anlässlich der Niederlassung des Franziskanerklosters zu werten: Der Bau der jüngeren Stadtmauer als auch die Niederlegung der älteren datieren von Baumaterial und Beifunden klar in die frühe Neuzeit.
Bei den aktuellen Untersuchungen anlässlich der Verlegung einer Gasleitung vor Baubeginn Hauptstraße 10 wurde schließlich auch das Fundament der zur Erweiterung Wurzacher Vorstadt (schriftlich 1403) gehörigen Stadtmauer aufgedeckt, einschließlich sogar einer bauzeitlichen Pflasterung auf der innerstädtischen Seite. Auch diese Mauer wurde in diesem Bereich beim Bau des Klosters niedergelegt.
Noch ungeklärt ist ein gut 9 m östlich der klosterzeitlichen Stadtmauer auf tiefergelegenem Grund nahe des Sees gelegener Befund: ein Pfahlrost aus 30-45 Jahre alten Fichtenstämmen, der als Unterbau einer breiten Massivmauer zu deuten ist. Mehrere Pfähle wurden dem Landesamt für Denkmalpflege zur dendrochronologischen Untersuchung übergeben, die dort aber keine Datierung erbrachten. Eine C14-Untersuchung zur Unterstützung des nicht ausreichenden dendrochronologischen Befunds ist angeregt worden, scheitert bislang aber an der fehlenden Finanzierung.
Gut 200 Meter nordwestlich wurde die Stadtmauer auch im Bereich der Wettgasse untersucht, wo sie heute noch oberirdisch sichtbar ist - in einem Bereich, wo laut Urkatasterplan der im 19. Jahrhundert abgerissene Pulverturm zu suchen wäre. Dieser wurde an Ort und Stelle nicht angetroffen, man muss annehmen, dass er etwas weiter nordwestlich saß und sich - im Einklang mit der bildlichen Überlieferung - im Wesentlichen auf die Außenseite der Stadt erstreckte. Auch der Stadtmaueraufbau konnte beobachtet werden. Über einer in den Grundwasserbereich reichenden Rollierung, unter der ein Pfahlrost zu vermuten ist, ist die älteste Stadtmauer (wohl 13. Jh.), die aus großen, lehmmörtelgebundenen Wacken besteht, nur in ein bis zwei Lagen erhalten. Darüber ist sie komplett durch eine kalkmörtelgebundene Nachfolgerin ersetzt, die bereits in die frühe Neuzeit datiert. In Zusammenhang mit einem Anbau an die Stadtmauer (Haus wurde in den 1980ern abgebrochen) wurde erneut in die Stadtmauer eingegriffen, sie wurde um ca. 60-70 cm zurückversetzt und als Außenwand in das Gebäude integriert.

"Vnser Schloß und statt Gammertingen"

Im Auftrag der Stadt Gammertingen verfassen Joachim Jehn und ich bis 2023 eine neue interdsiziplinäre Stadtgeschichte Gammertingens. Grundlage sind die umfassenden neuen Erkenntisse aus der Auswertung der Schlossplatzgrabung von 2012/13, ergänzt durch umfangreiche neue Archivstudien. Ergänzt wird die Arbeit durch neue Illustrationen von Roland Gäfgen, Renningen, sowie in geringerem Umfang auch durch neue bauhistorische Untersuchungen durch Tilmann Marstaller, Rottenburg.
Die wissenschaftliche Auswertung der Schlossplatzgrabung, die ursprünglich in den Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg erscheinen sollte, ist dort inzwischen abgelehnt worden, weil anscheinend nicht mit dem Reihenprofil kompatibel. Ich erachte dies als höchst bedauerlich, weil hier erstmals eine archäologische Untersuchung vorgelegt wurde, die von der Planung bis zur Publikation den Grundzügen der von mir entwickelten historischen Archäologiekonzeption folgt. Sie zeigt exemplarisch, welche Informationsdichte unter entsprechenden Voraussetzungen aus einer gewöhnlichen, kleineren Stadtkerngrabung zu extrahieren ist. Bis ein alternativer Publikationsort gefunden ist, biete ich an, die Arbeit Interessenten auf Anfrage zur privaten Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Nehren, Neue Beobachtungen zur Siedlungsgeschichte

Nachdem 2016 im Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung erstmals baubegleitende Untersuchungen an der Nehrener Veitskirche erfolgt waren, konnten im März/April 2018 nun auch baubegleitende Untersuchungen auf dem westlichen Kirchenvorplatz durchgeführt werden. Diese erfolgten im Auftrag der Gemeinde Nehren, welche Eigentümerin des zur Hauchlinger Straße gelegenen westlichen Kirchvorplatzes ist. Die Befunde auf der überschaubar großen Untersuchungsfläche erwiesen sich als für die Nehrener/Hauchlinger Kirchen- und Siedlungsgeschichte in besonderem Maße relevant. Hauptbefund ist eine sanft zur Straße abfallende sorgfältig gepflasterte Fläche, auf der sich ein ca. 1 m breiter Fußweg abgrenzen lässt, welcher die gepflasterte Fläche zugleich entwässerte. Der Fußweg scheint auf das seit der Kirchenerweiterung von 1587 am heutigen Ort befindliche Hauptportal der Kirche zu zielen. Interessanterweise biegt der Weg am westlichen Ende des Kirchvorplatzes nach Süden ab. Er lässt sich von daher wohl auch als materielle Manifestation der Einpfarrung Nehrens nach Hauchlingen begreifen sowie als Zeichen dafür, dass das wesentlich bevölkerungsstärkere Nehren im vereinigten Ort auch auf der geistlichen Ebene die Ausrichtung vorgab.
Das Pflaster ist durch Reste einer darüberliegenden Brandschuttschicht in zweifacher Weise datierbar. Die Flachziegel, gebrannten Lehm, Holzkohle, Geschirr-, Ofen- und Sonderkeramik führende Schicht verweist wohl auf eine Ablagerung im 18. Jahrhundert, gleichwohl gehört das Gros der Funde in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, also in die Zeit der Kircherweiterung. Vermutlich lässt sich dieser Befund durch die erneute Ausplanierung von Sediment erklären, mit dem vor 1587 das stark nach Norden/Hauchlingen abfallende Gelände zum heutigen plateauartigen "Kirchhügel" aufplaniert wurde.
Fast noch spannender als die Umstände der Pflastererrichtung sind jedoch diejenigen seiner Aufgabe wohl im 18. Jahrhundert. Sie erfolgte unmittelbar nach dem Brand eines in Fachwerkbauweise errichteten Nachbargebäudes. Nach dem Ausschlussverfahren - die älteren Nachbargebäude bestehen entweder noch oder bestanden nachweislich weiter (das 1700 erbaute Nehrener Schulhaus) - ist der Brand auf dem heute der Gemeinde gehörenden Flurstück 4/1 selbst zu verorten. Dort bestand bis in die 1960er ein wohl ins 18. Jahrhundert zurückgehender Streckhof, der sich auf den heutigen Kirchzugang bezieht und wohl wie dieser ein Zeugnis der Neuordnung nach dem Brand war. Für den im 18. Jahrhundert abgegangenen Hof kommt letztlich vor allem ein Standort infrage: südwestlich der alten Schule im Bereich der Kurve, welche die Hauchlinger Straße heute um den "Kirchhügel" nimmt. Trifft diese Annahme, so müsste man bis ins 18. Jahrhundert noch gänzlich unterschiedliche Siedlungs-, vor allem aber Verkehrsverhältnisse rund um die Hauchlinger/Nehrener Kirche annehmen. Bis zu dieser Zeit wäre die in Verlängerung der Nehrener Hauptstraße verlaufende heutige Hauchlinger Straße gerade aus über das "Alte Gässle" Richtung Dußlingen/Tübingen verlaufen. Sie hätte im Bereich der heutigen Kurve ein wesentlich höheres Niveau und wäre vom frühneuzeitlichen gepflasterten Kirchvorplatz ohne Treppe erreichbar gewesen. Die Hauchlinger Häusergruppe "im Bund" wäre von dieser Hauptstraße nur mit einem sehr abschüssigen Pfad, vielleicht auch einer Treppe verbunden gewesen - eine Verbindung, die für landwirtschaftliche Gespanne möglicherweise nicht oder nicht dauerhaft befahrbar war. Tatsächlich datiert das älteste Haus am nach Nordnordost führenden unteren Ast der Hauchlinger Straße erst auf 1771 - für Hauchlinger Verhältnisse ein junges Datum.
Es spricht einiges dafür, dass das heutige Nehrener Hauptstraßensystem nur auf das 18. Jahrhundert zurückgeht - und dass sich der alte Kirchweiler Hauchlingen siedlungsgenetisch auf die Kirche und die Häusergruppe "Im Bund" reduzieren lässt. Die anderen Hauchlinger Häusergruppen wie etwa die "Oper" sind letztlich als Hofgründungen an der durch Nehren führenden Straße zu sehen, die wohl bis zum Ausbau der Schweizer Straße (B 27) als Chausee in den 1750ern noch als Durchgangsstraße zu den Albaufstiegen bei Gönningen und Talheim zu werten ist, und gehören siedlungsgenetisch bereits zum seit 1504 kirchlich und 1543 weltlich vereinigten Dorf.
Die auf Lesefunde gestützte Vermutung, dass das alte Hauchlingen ursprünglich wohl dem Wiesbachübergang bei der Musikantenscheuer zugeordnet war, konnte im Zuge einer ebenfalls durch die Gemeinde beauftragten baubegleitenden Untersuchung am Regenüberlaufbecken in der Talstraße im April 2019 erhärtet werden. In hoher Befunddichte traten hier früh- und hochmittelalterliche Siedlungsbefunde zu Tage: Pfostengruben, Gruben, Grubenhäuser, Öfen und eine Schmiedeesse. Eine einzige rechteckige Grube mit ca. 165 x 85 cm Ausdehnung enthielt vorgeschichtliche Keramik, die nur unscharf zwischen Spätneolithikum und Hallstattzeit eingeordnet werden kann. Ein sehr spannendes Ergebnis, weil damit möglicherweise ein erster Hinweis auf Siedlungstätigkeit vorliegt, die zeitlich mit dem bekannten bronze- und eisenzeitlichen Gräberfeld Heunisch/Lochert/Neuwiese in Verbindung gebracht werden kann.
Die älteste mittelalterliche Keramik stellt die rauwandige Drehscheibenware des 6.-8. Jahrhunderts dar sowie, damit vergesellschaftet, handgemachte rauwandige Waren; der Platz war spätestens in der jüngeren Merowingerzeit besiedelt. Im zum Bach hin gelegenen nördlichen Untersuchungsteil enden die Befunde im Hochmittelalter, wohl noch im 11. Jahrhundert, im nördlichen Teil finden sich auch spätere Befunde, die vereinzelt bis ins 13./14. Jahrhundert reichen. Die Siedlungsphasen weisen offenbar unterschiedliche Ausrichtungen auf. Die jüngere Siedlungsphase ist auf die Verbindung nach Nehren ausgerichtet (Talstraße - untere Hauchlinger Straße), die ältere West-Ost mit Tendenz WSW-ONO. Diese Ausrichtung wird man mit der noch im 19. Jahrhundert genutzten alten Straße Hauchlingen-Gomaringen in Verbindung bringen können, welche nach dem Übertritt über den Wiesbach zur damaligen Zeit vermutlich am Südosthang des Steinlachtals Richtung Ofterdingen weiterlief. Mit einiger Wahrscheinlichkeit fassen wir hier eine ursprüngliche Funktion Hauchlingens im Fernverkehr, die mit der Gründung der Konkurrenzsiedlung Nehren als Ofterdinger Ausbausiedlung wohl noch im Frühmittelalter wieder obsolet geworden war.
In Verbindung mit den bekannten Lesefunden wird man das endgültige Wüstfallen der Siedlung am Wiesbach ins 12. Jahrhundert datieren, das zum Weiler schrumpfende Hauchlingen hatte sich zu dieser Zeit bereits auf den Weg Richtung Nehrener Hauptstraße gemacht. Für die Siedlungsgeschichte von Nehren/Hauchlingen rückt damit die Frage nach dem Ursprung der dort gelegenen, erstmals 1275 erwähnten Kirche ins Zentrum: Fassen wir mit der Veitskirche, die in diesem Fall eine beachtliche Ausdehnung des frühmittelalterlichen Hauchlingens belegen würde, den frühmittelalterlichen Ursprung der Pfarrei Hauchlingen, der als solcher sicherlich auch Einfluss auf die Nehrener Siedlungsentwicklung genommen hätte? Oder fassen wir eine erst spät (durch das Kloster Alpirsbach im 12./13. Jh.?) gegründete Wallfahrtskirche, die die Pfarrrechte sekundär an sich zog und sich selbst bereits an den durch die bedeutender gewordene Nachbarsiedlung Nehren vorgegebenen Siedlungsstrukturen orientiert?
Ergebnisse zur frühen Nehrener Siedlungs- und Verkehrsgeschichte erbrachte eine durch das Landesamt für Denkmalpflege beauftragte baubegleitende Untersuchung mehrerer Hausanschlüsse in der unteren Luppachstraße. Während die Aufschlüsse im Bereich der heutigen Post vor allem Informationen zur neuzeitlichen Geschichte des Luppachs erbrachten, lässt sich in zwei Profilen in der Auffahrt zur "Hofstatt" (zwischen Luppachstr. 14 und 20) wohl der ältere Verlauf der Luppachstraße nachweisen. Diese verlief oberhalb der feuchten Senke und lässt sich bei genauem Hinsehen noch im heutigen Ortsbild verfolgen: entlang dem zurückgesetzten traufständigen Wohnhaus Luppachstr. 6 (und diesem auf Kosten der Sparkasse abgebrochenen Nachbargebäude zur Wette hin) über die Einfahrt zur Hofstatt bis in die noch als solche erhaltene Straße "im Stiegel". Anders als die heute Richtung Mössingen abbiegende Luppachstraße wird man die "Urluppachstraße" noch als Ortsverbindung nach Ofterdingen begreifen können, von wo aus Nehren im Frühmittelalter gegründet worden sein dürfte. Datieren lässt sich die erst in der Neuzeit aufgegebene Straße nicht näher - noch nicht: Aus einer durch die Straße geschnittenen Grube konnte eine Holzkohleprobe geborgen werden, deren Radiokarbondatierung wichtige Aufschlüsse zur frühen Nehrener Siedlungsgeschichte erbringen könnte.

Nehren, Veitskirche

Vom 29. Juli bis zum 19. August 2020 fanden in der Nehrener Veitskirche archäologische Grabungen statt. Dort, wo in einiger Zeit Thermostationen und verbindende Kanäle für behagliche Wärme im Kircheninnenraum sorgen werden, waren zunächst die Archäologen zugange - anfangs noch mit Unterstützung eines Minibaggers, danach mit Schaufel, Spaten, Kelle, Besen und Staubsauger. Es ist kurz nach der Grabung - noch vor Aufbereitung von Dokumentation und Funden - ein bisschen früh für weitreichende Aussagen. Diese wird es stabil erst nach einer wünschenswerten, im Moment aber noch nicht geplanten, Auswertung der Ausgrabungen geben. Gleichwohl lassen sich schon ein paar wichtige Ergebnisse zur Baugeschichte, aber auch zur Nehren-Hauchlinger Siedlungsgeschichte formulieren.

Rottweil, Friedrichsplatz 16

Im Zusammenhang mit der Renovierung des historischen Gebäudes Friedrichsplatz 16 wurde das östlich anschließende Gartengrundstück bis auf Straßenniveau abgegraben, um dort eine Anwohnertiefgarage mit fünf Plätzen zu errichten. Laut der 1564 erstellten Rottweiler Pürschgerichtskarte war das Gartengrundstück zu dieser Zeit noch bebaut. Da der Lorenzort bis zur Vertreibung der Juden nach der Pest 1349 das Rottweiler Judenviertel beherbergte, galt dieser Bebauung besonderes Interesse.
Die gut sechswöchige, gemeinsam mit Tilmann Marstaller und Andreas Willmy geleitete Grabung Juli-September 2018 erbrachte spannende Befunde, wenngleich ganz anders als erwartet. So lässt sich mit Sicherheit ausschließen, dass das auf der Pürschgerichtskarte abgebildete Gebäude jemals in der Realität existierte. Stattdessen stellt das bis zur Grabung überlieferte, erhöht über Lorenz- und Kaufhausgasse liegende Gartengrundstücks letztlich eine nur wenig überformte stadtgründungszeitliche Situation dar. Die älteste Umfassungsmauer und die inneren Planierungen datieren in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Zuge dieser stadtgründungszeitlichen Parzellierungs- und Terrassierungsarbeiten wurde im Übrigen eine bislang unbekannte Vorgängerbesiedlung des 12. Jahrhunderts niedergelegt, zu der unter anderem ein gemauerter Brunnen gehörte, der stadtgründungszeitlich verfüllt wurde. Da die vorstädtischen Befunde und die auf deren Niederlegung zurückgehende Holkohlekonzentrationen nach Westen/oben dichter werden, erscheint denkbar, dass die schon die vorstädtische Bebauung auf die Durchgangsstraße "Friedrichsplatz" ausgerichtet war.
Letzte baubegleitende Untersuchungen erfolgten im Juli 2019 in Zusammenhang mit der Unterfangung des renovierten Wohngebäudes. Sie erbrachten interessante Details zur Baugeschichte. So ist der Vorsprung, den die Ostseite des Gebäudes in seiner Nordhälfte zeigt, lediglich eine junge Ausbesserung aus statischen Gründen und datiert wohl ins 19. Jahrhundert. Sie ersetzt ältere Anbauten an das Haus an dieser Stelle. Das Haus selbst hat einen um etwa einen halben Meter nach Westen zurückgesetzten Vorgängerbau, dessen lehmgebundenes Bruchsteinfundament formal der stadtgründungszeitlichen Umfassungsmauer um das Gartengrundstück entspricht und vermutlich in dieselbe Zeit zu datieren ist. Große Fundmengen vor allem des 16./17. Jahrhunderts erbrachte eine gemauerte Latrine, die unterhalb der backsteineingefassten neuzeitlichen Sickergrube zum Vorschein kam. Sie wurde wohl noch im ausgehenden Spätmittelalter errichtet, erhaltene konstruktive Hölzer sind geborgen worden und dürften eine dendrochronologische Datierung ermöglichen.

Tübingen, Evangelisches Stift

Zwischen Mai und Juli 2020 fanden baubegleitende Untersuchungen im Prälatenhof und im Bärengraden des Evangelischen Stifts in Tübingen statt. Es konnten bedeutsame Ergebnisse zur frühen städtischen Nutzung vor der Ankunft der Augustinereremiten in Tübingen 1262 erzielt werden, außerdem eine dichte Darstellung der Nutzung des Areals westlich des Klosters/des Stifts in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Die wichtigsten vorläufigen Erkenntnisse sind im Kurzbericht als Download nachzulesen.

www.historische-archaeologie.de wurde zuletzt aktualisiert am 21.12.2020